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Selbstreparatur oder „Es war einen Versuch wert“

Kann ich das selbst reparieren? Das ist eine der häufigen Anfragen, die wir erhalten. Einzig noch häufiger sind die Anfragen mit „kann man da noch was retten?“ Grundsätzlich begrüssen wir jeden Selbstreparierer. Reparieren gibt einem ein tieferes Verständnis für die Dinge, die man benutzt. Oder eben auch nicht. Das hängt von jedem selbst ab.

Zusammenfassung

Kann ich das selbst reparieren?

Das ist eine der häufigen Anfragen, die wir erhalten. Einzig noch häufiger sind die Anfragen mit „kann man da noch was retten?“

Grundsätzlich begrüssen wir jeden Selbstreparierer. Reparieren gibt einem ein tieferes Verständnis für die Dinge, die man benutzt. Oder eben auch nicht. Das hängt von jedem selbst ab.

Wenn wir unsere Reparaturanfragen lesen, kommt man zu dem Schluss, dass die meisten wohl falsch anfangen und auch aus den falschen Gründen. Oft geht es beim selbst reparieren einzig und allein darum, Geld zu sparen. Man kann mit selbst Reparieren sehr viel Geld sparen und wir halten jeden dazu an. Leider kann man nur Geld sparen mit etwas, das man auch kann. Andernfalls spart man nichts und im schlimmsten Fall zahlt man ein vielfaches drauf oder hat einen unnötigen Totalschaden verursacht.
Die übliche Herangehensweise scheint zu sein, man hat ein Problem und das möchte man möglichst kostengünstig selbst lösen. Dazu braucht man keine Erfahrung, kein Werkzeug, keine Fingerfertigkeit, keine Übung, ein Video genügt. Schliesslich klappt das ja in den Videos auch immer alles und sieht auch recht einfach aus.

Würden Sie so auch an andere Aufgaben heran gehen?

Stellen Sie sich vor, Sie hätten noch nie handwerklich gearbeitet, noch nie irgendetwas renoviert und möchten Ihre edle Villa mit feinster Tapete verschönern. Geht man da auch so heran? Kauft man die teuerste Tapete, völlig ungeeignetes Plastik Werkzeug, irgendeinen Leim, der vielleicht gar nicht für Tapete geeignet ist und klebt dann die teure Tapete auf eine unvorbereitete Wand, weil in dem Video darüber nichts gesagt wurde? Man darf sich doch dann nicht wundern, wenn die Tapete ein paar Tage später von der Wand fällt und man neue kaufen muss. Dazu kommt die Arbeit, um die Fehler auszubessern.
Nun nimmt ein Haus nicht gleich Schaden, wenn sich jemand ungeübtes an der Wand Verschönerung austobt. Ein bisschen Material und Arbeitszeit, mehr verschwendet man nicht.
Geräte jedoch gehen bei unsachgemässen Eingriffen schnell kaputt und oft ist dann da eben nichts mehr zu retten.

Also wie fängt man Reparieren an?

Die Aufgabe

Zunächst sucht man sich eine einfache Aufgabe. Praktikanten üben bei uns das Zerlegen von Geräten zuerst einmal an Elektroschrott. Da ist schon alles kaputt und es kann nicht schlimmer werden. Wer ein paar dutzend Geräte zerlegt hat, versteht mit der Zeit, worauf es ankommt. Es sind nicht immer nur Schrauben, auch Plastiknasen, die eingedrückt werden müssen. Aber eben nicht so fest, dass das ganze Gehäuse gleich bricht. „Sanfte Gewalt“ nennt unser Werkstatt Chef das. Das muss man üben. Gefühl kann kein Video vermitteln. An einem 300€ Gerät mit Üben anfangen ist selten eine gute Idee, also suchen Sie sich etwas einfaches, wo es nicht schlimm ist, wenn Sie es anschliessend verschrotten müssen.

Das Werkzeug

Viele Lieferanten von Ersatzteilen auf den grossen Online Plattformen liefern das Werkzeug gleich mit. Prima denkt man sich, dann kann es ja auch nicht schwer sein und es ist alles dabei, was man braucht. Denken Sie wirklich bei einem 10€ Teil ist ein vernünftiges Werkzeug dabei? Ein vernünftiges Werkzeug kostet oft mehr als 10€. Kein Profi arbeitet mit diesen billig Werkzeugen. Warum? Weil es damit einfach nicht geht. Da gibt es Tools darunter, da haben wir bis heute nicht heraus gefunden, wie man damit je ein Gehäuse öffnen soll. Haben Sie schon einmal einen Krustenbraten mit Einweg Plastik Besteck gegessen und dabei mehr Besteck zerbrochen als gegessen? Viele Werkzeuge haben kaum bessere Qualität.
Wenn Sie reparieren möchten, kaufen Sie sich ein hochwertiges Set mit vernünftigen Werkzeugen, sonst brauchen Sie mit nichts anfangen. Das selbe gilt für Kleber, Klebefolie, Klebeband. Man muss seine Erfahrung machen, was funktioniert und was nicht.

Die Werkstatt

Für Reparaturen an elektronischen Geräten benötigt man auch eine wenigstens halbwegs ESD geschützte Umgebung. Es gibt Matten und Armbänder zur Ableitung. Zuhause auf der Tischdecke ist nicht der richtige Ort. Wenn Geräte ohne ersichtliche Fehler nicht mehr starten, haben sie oft Überspannungen abbekommen. Dann stehen Sie ratlos davor und wissen nicht wieso. Richten Sie sich eine vernünftige Ecke zum reparieren ein.

Die Ersatzteile

Auch Ersatzteile haben unterschiedliche Qualitäten. Besonders schlimm sind diese bei Akkus. Hier muss man Erfahrungen machen.

Aber auch schon die Suche nach dem richtigen Ersatzteil ist nicht so einfach. Kleingeräte haben keine Schlüsselnummer wie Fahrzeuge und dazu gehörige Datenbanken. Also suchen Sie nicht nach Teilen nach dem Geräte Namen, sondern bauen das Ersatzteil erst einmal aus. Dann schauen Sie sich das Teil ganz genau an und messen es aus. Wenn Sie darauf Teilenummern finden, können Sie danach im Internet suchen. Die wenigsten bauen Teile erst einmal aus, bevor sie Ersatzteile suchen. Aber wie sollen Sie etwas finden, wo Sie noch nicht einmal ein Foto vergleichen können? In ein und dem selben Modell können ganz unterschiedliche Bauteile verbaut sein. Wir haben keine gesetzliche Ersatzteilregelung bei Kleingeräten! Genauso gibt es keine Verpflichtung, Ersatzteile überhaupt auf dem Markt anzubieten, geschweige denn mit Teilekatalog und Teilenummern. So etwas gibt es bei vielen Geräten einfach nicht.

Auch hier ist Erfahrung viel wert.

Wir werden oft nach Teilen gefragt, aber wir stellen entweder Teile in unseren Shop ein oder wir suchen sie passend zum Auftrag.

Der Handel mit Ersatzteilen ist jedoch sehr frustrierend, deshalb haben wir uns daraus sehr zurück gezogen. 50% der bestellten Teile werden zurück gesendet. Die Hälfte davon wurde falsch bestellt, passte also nicht und für die andere Hälfte hat man uns die defekten Altteile zurück gesendet und das Widerrufsrecht missbraucht.

Wir helfen gerne Kollegen mit Teilen aus, aber dazu müssen wir uns erst einmal kennen lernen.

Bitte fragen Sie bei uns als Privatperson keine Teile an. Wir haben unsere Erfahrung bereits gemacht.

Lernen

Wenn Sie selbst reparieren möchten, dann sollten Sie dies in erster Linien tun, um etwas zu lernen, um die Technik zu verstehen und sich selbst über Erfolgserlebnisse weiter zu entwickeln. Wenn Sie etwas gelernt haben, dann hat es den angenehmen Nebeneffekt, dass Sie mit Ihren erworbenen Fähigkeiten auch Geld sparen können und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Dann heissen wir Sie herzlich willkommen in der Community.

Wo kann ich lernen?

Wir werden oft gefragt, ob man bei uns eine Woche ein Praktikum machen könnte und dabei lernen kann, wie man sein Gerät repariert. Das ist natürlich ein guter Deal. Statt für eine Reparatur zu bezahlen, geht man in eine Werkstatt, lässt sich alles erklären, benutzt das Werkzeug und Material und geht glücklich wieder nach Hause. Wie soll das funktionieren? Sie können bei uns ein Praktikum machen, aber nicht um Ihre eigenen Probleme zu lösen, sondern um im Team einen Beitrag zu leisten.

Wenn Sie lernen möchten, ist die Community ein guter Ort. Sie können einen Hackerspace oder ein Reparaturcafe in Ihrer Nähe aufsuchen. Dort finden Sie Gleichgesinnte, Werkzeuge, Werkstatt Ausstattung und andere, mit denen Sie Erfahrung austauschen können. Tragen Sie etwas bei, seien Sie interessiert und Sie werden sehr viel Freude an diesem Hobby haben.

Reparatur von angearbeiten Geräten

Uns erreichen viele Anfragen für Geräte, an denen auf die ein oder andere Weise versucht wurde, sich selbst zu helfen. In der Regel lehnen wir diese Anfragen ab. Das hat verschiedene Gründe:

Wir reparieren auf Erfolgsbasis.

Nur erfolgreiche Reparaturen werden voll vergütet und lohnen sich. Die Erfolgsaussichten bei angearbeiteten Geräten sind jedoch mindestens 3 mal niedriger als bei ungeöffneten Geräten. Häufig wird zu dem ursprünglichen Problem eine ganze Reihe weiterer Probleme verursacht. Dh nicht nur die Erfolgsaussichten sind sehr viel geringer, auch die Fehlersuche und der gesamte Aufwand ist sehr viel höher. Am Ende lohnt sich das für uns nicht mehr, es sei denn Sie wertschätzen unseren gesamten Aufwand unabhängig vom Ergebnis.

Fehlende Einsicht

Wenn Geräte unsachgemäss angearbeitet wurden, kommt es leider nur selten vor, dass Kunden Einsicht zeigen. Kaum jemand möchte sich selbst eingestehen, seine Kompetenzen überschritten oder seine Grenzen erreicht zu haben. Es scheint wohl menschlich zu sein, lieber anderen die Schuld zu geben. Wenn Geräte im Anschluss nicht mehr zu reparieren sind oder Fehler nicht gefunden werden können, dann sind das für die meisten nicht die Folgen der eigenen Fehler, sondern dann ist eben die Werkstatt doch nicht so gut, wie sie behauptet.

Schwierige Diagnose

Geräte gehen immer wieder aus den selben Gründen kaputt. Sie fallen runter, kommen mit Flüssigkeiten in Kontakt, überwärmen oder haben sonstige typische Fehler, die uns aus tausenden Reparaturen bekannt sind. Wir können nie im Vorfeld sagen, welche Probleme bei einem Gerät tatsächlich vorhanden sind, aber unsere Erfahrung gibt uns eine Richtung vor, in der wir suchen müssen.

Bei angearbeiteten Geräten ist jedoch absolut alles möglich. Eine Fehlerbeschreibung „Gerät startet nicht mehr, zuvor lies sich der Akku nicht mehr aufladen“ lässt im Normalfall auf ein Problem mit der Ladelektronik, der Netzbuchse, des Akkus oder des Kontaktes zum Akku schliessen. Dort sucht man dann nach Fehlern.

Nach einer verunglückten Selbstreparatur weitet sich dann die Fehlersuche auf alles mögliche aus. Da werden kleinste Kontakte beschädigt, Kabel angerissen, geknickt oder Überspannungen erzeugt. Diese Probleme muss man erst einmal alle finden, was allein schon aufwändig und auch nicht immer möglich ist. dann muss man all diese Probleme erst einmal lösen, bis man bei dem ursprünglichen Problem angekommen ist. Beim ursprünglichen Fehlerbild konnte man davon aus gehen, wenn man die Probleme mit der Stromversorgung löst, auch ein Bild zu erhalten. Wenn aber bei unsachgemässer Öffnung des Gerätes, das LCd eine Überspannung erhielt, weiss man nie, ob man das Stromversorgungsproblem nicht richtig gelöst hat, oder das Gerät aus anderen Gründen kein Bild gibt.

Sie sehen also, diese Geschichten gehen schnell ins unendliche. Man möchte nicht behaupten, dass man in solchen Fällen nicht helfen könnte, doch wer kommt für die Zeit auf? Welcher Techniker kann sich einen ganzen Tag mit einem Gerät auseinander setzen, das eine unbekannte Anzahl von versteckten Fehlern hat und für die er nur im Erfolgsfall mit viel Glück vielleicht mit 100€ vergütet wird?

In Deutschland mit unseren Lohnnebenkosten, Mieten, Lebenshaltungskosten, Energiekosten usw. kann das nicht funktionieren.

Wenn Sie jedoch unsere Zeit wertschätzen und das Vertrauen in uns haben, dass wir unabhängig vom Erfolg unser bestes geben, dann sind wir auch in diesen Fällen für Sie da.

Wenn Sie Service wertschätzen, werden Sie unser Kunde, wir sind gerne für Sie da.

Für das ein oder andere Lieberhaberstück lohnt sich ein Rettungsversuch bestimmt auch. Alles andere schreiben Sie bitte als Lehrgeld ab.

#eswareinenVersuchwert

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